Pflegeversicherung

Lungenkrebs hat vor allem in den fortgeschrittenen Krankheitsstadien erhebliche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand und damit die Fähigkeiten des Erkrankten, mit dem Alltag und der Lebensführung im Allgemeinen umzugehen. Ein Lungenkrebskranker hat deshalb, abhängig vom konkreten Fall der Bedürftigkeit, Anspruch auf Leistungen aus der Sozialen Pflegeversicherung.

Wer hat Anspruch?

Menschen, die schwer krank oder behindert sind und sich nicht mehr selbst versorgen können, sind auf Hilfe im Alltag angewiesen. Für diese Fälle wurde für gesetzlich Versicherte die Pflegeversicherung geschaffen. Ihre Leistungen umfassen zum Beispiel Pflegesachleistungen bei der häuslichen Pflege, Pflegegeld oder Beiträge zu den pflegerischen Aufwendungen bei stationärer Pflege. Die Leistungen werden von den Pflegekassen erbracht, selbstständigen Einrichtungen der Krankenkasse, bei der man pflichtversichert ist. Privat Versicherte müssen eine entsprechende private Pflegeversicherung abschließen.

Anspruch hat, wer pflegebedürftig ist. Dies wird vom Gesetzgeber definiert und in einem Pflegestufensystem festgelegt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüft, ob eine Pflegebedürftigkeit gegeben und welcher Pflegestufe sie zuzuordnen ist. Dabei beurteilt der Medizinische Dienst der Krankenkassen die individuellen Fähigkeiten des Patienten beziehungsweise den Eingeschränktheitsgrad bei der Körperpflege bzw. dem Umgang mit wichtigen Körperfunktionen, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Die Pflegestufen

  • Pflegestufe 0
    erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz: Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung, nicht erheblich pflegebedürftig2, jedoch angewiesen auf Hilfestellungen bei verschiedenen hauswirtschaftlichen Versorgungen
  • Pflegestufe I
    erheblich pflegebedürftig: Mindestens einmal täglich Hilfebedarf bei zwei oder mehr Verrichtungen aus den oben genannten Bereichen, im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten, davon mehr als 45 Minuten pflegerische Hilfe.
  • Pflegestufe II
    schwer pflegebedürftig: Mindestens dreimal täglich Hilfebedarf bei drei Verrichtungen- zu verschiedenen Tageszeiten, im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden, davon mindestens zwei Stunden pflegerische Hilfe.
  • Pflegestufe III
    schwerst pflegebedürftig: Hilfebedarf rund um die Uhr auch nachts, im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden, davon mindestens vier Stunden pflegerische Hilfe.
  • Härtefall
    Die Pflegekassen können in besonderen Einzelfallen Pflegebedürftige der Stufe III als Härtefall anerkennen, wenn ein außergewöhnlich hoher Pflegeaufwand vorliegt.

Die Pflegeleistungen

Pflegebedürftige können ambulante Pflegesachleistungen oder Pflegegeld oder beide Leistungen jeweils anteilig miteinander kombiniert beziehen. Der Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen beläuft sich monatlich2:

Sachleistung (ambulante Pflegedienste)3:

  • Pflegestufe 0 bis zu 200,– € pro Monat
  • Pflegestufe I bis zu 468,– € pro Monat
  • Pflegestufe II bis zu 1.144,– € pro Monat
  • Pflegestufe III bis zu 1.612,– € pro Monat
  • Härtefalle bis zu 1.995,– € pro Monat

Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz haben Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen, monatlich in Höhe von bis zu:

Geldleistung (private Pflegeperson):

  • ohne Pflegestufen bis zu 231,- € pro Monat
  • Pflegestufe I bis zu 689,– € pro Monat
  • Pflegestufe II bis zu 1.298,– € pro Monat
  • Pflegestufe III und Härtefällen gelten die oben genannten Beträge.

Die Pflege beantragen

Beantragen können Sie Pflegeleistungen bei Ihrer gesetzlichen oder privaten Pflegeversicherung, über Ihre Krankenkasse bzw. Ihre Krankenversicherung. Den Antrag stellen Sie oder auch Ihre Angehörigen formlos, zum Beispiel telefonisch. Sie erhalten ein Antragsformular, das Sie ausgefüllt zurücksenden. Die Leistungen werden grundsätzlich von dem Tag an gewährt, an dem Sie den Antrag gestellt haben. Sind Sie schon länger pflegebedürftig, erhalten Sie die Leistungen rückwirkend zum Ersten des Monats, in dem Sie den Antrag gestellt haben. Sie können einen Antrag nicht „im Voraus“ stellen, sondern müssen zu diesem Termin bereits pflegebedürftig und mindestens fünf Jahre „vorversichert“ sein. Das heißt, Sie müssen in den letzten zehn Jahren mindestens fünf Jahre in der Pflegeversicherung versichert gewesen sein.

Schwerbehindertenausweis

Krebskranke können in der Regel für fünf Jahre einen Schwerbehindertenausweis beantragen, um die durch die Erkrankung und Therapien entstehenden Nachteile auszugleichen. Mit ihm erhalten sie beispielsweise einen besseren Kündigungsschutz, Anspruch auf Zusatzurlaub und diverse Steuererleichterungen. Der Ausgleich geschieht durch Vergünstigungen auf mehreren Ebenen und ist abhängig vom festgestellten Grad der Behinderung (GdB). Bei der Antragstellung können die Erkrankten den Sozialdienst der Kliniken nutzen.4

Schon gewusst?

Der Pflegeaufwand bei einem Lungenkrebspatienten kann sich mit einer Verschlechterung der Erkrankung ändern. In diesem Fall muss erneut ein Antrag auf Pflegeversicherung gestellt werden, mit einer neuen Begutachtung durch den MDK.

Weitere Informationen

Soziale Pflegeversicherung: www.deutsche-sozialversicherung.de/de/pflegeversicherung/ Privat Versicherte: www.compass-pflegeberatung.de
Quellen: 
[1] Deutsche Krebshilfe e. V.: Die blauen Ratgeber – Antworten. Hilfen. Perspektiven. Nr. 40, 2011
[2] http://www.bmg.bund.de/glossarbegriffe/b/betreuungsdienste.html
[3] http://www.bmg.bund.de/themen/pflege/pflegebeduerftigkeit/pflegestufen.html
[4] http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/040_sozialleistungen.pdf