Therapietreue bei Lungenkrebs

Vielleicht haben Sie den Begriff der „Therapietreue“ noch nie gehört. Dabei ist Therapietreue auch für Sie als Lungenkrebskranker sehr wichtig. Was versteht man darunter? Auf neudeutsch bezeichnet man Therapietreue auch mit „Compliance“. Im medizinischen Bereich ist damit die Bereitschaft des Patienten gemeint, die vom Arzt entwickelte und vorgeschlagene Behandlungsstrategie mit allen notwendigen Therapiemaßnahmen auch tatsächlich umzusetzen. Dazu gehört zum Beispiel, Medikamente regelmäßig und exakt nach den Vorgaben einzunehmen oder keine Therapiesitzung auszulassen und Kontrolluntersuchungen einzuhalten.

Warum ist Therapietreue bei Lungenkrebs so wichtig?

Lungenkrebs ist eine Erkrankung, die einer länger andauernden und intensiven Behandlung bedarf. Dazu gehören neben der Operation auch Therapien wie die Bestrahlung, die Chemotherapie und neue zielgerichtete Therapien auf molekulargenetischer Grundlage. Bei einer Chemotherapie müssen Medikamente eingenommen werden, die sogenannten Zytostatika, bei der zielgerichteten Therapie kommen ebenfalls spezielle Medikamente zum Einsatz. Hinzu kommen die Behandlung eventueller Nebenwirkungen, Nachkontrollen, sowie Nachsorge- und Reha-Maßnahmen und eventuell eine psychotherapeutische Behandlung. Alles in allem ein hoher Aufwand für den Patienten, den dieser aber unbedingt leisten muss, damit die Therapie nachhaltig und langfristig greift.

Medikamente und Therapien: Zuverlässig nur bei richtiger Anwendung

Bei der Behandlung eines Lungenkarzinoms geht alles streng „nach Plan“: Was wann wie oder womit behandelt wird, legt ein sogenanntes Behandlungsschema fest, das der Arzt und andere Spezialisten erarbeiten und mit dem Patienten abstimmen. Nach diesem über einen bestimmten Zeitraum und individuell angelegten Schema wird der Patient behandelt. Wichtig ist, dass der Patient dabei „mitmacht“, Behandlungstermine einhält, Medikamente wie geplant einnimmt. Nur dann schlägt die Therapie optimal an. Bei Nichteinnahme kann es zu Verzögerungen im Genesungsprozess oder zu unerwünschten Wirkungen kommen.

Motivation ist alles

Viele Patienten haben Probleme mit der Einhaltung der Therapieregeln. Manche Patienten vergessen ihre Medikamente oder verpassen Termine. Das ist verständlich und kann passieren, aber es sollte nicht passieren. Viele Patienten scheuen auch bestimmte Therapiemaßnahmen, weil sie sich vor eventuellen Nebenwirkungen schützen wollen. Dabei lassen sich heute auch Nebenwirkungen gut in den Griff bekommen. Denken Sie an den Nutzen, den Ihre Therapie für Sie bringt. Bleiben Sie dabei. Halten Sie Termine ein und nehmen Sie Ihre Medikamente wie vorgeschrieben ein. Motivieren Sie sich mit kleinen Belohnungen, wenn Sie Therapievorgaben eingehalten haben. Nutzen Sie zum Beispiel eine Anwendung auf Ihrem Smartphone, die Sie termingerecht an die Einnahme bestimmter Medikamente erinnert. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie mit dem gewählten Therapieschema nicht zurechtkommen. Vielleicht bietet sich eine Anpassung des Therapieplans an? Es gibt viele Möglichkeiten, nutzen Sie Sie zu Ihrem eigenen Wohl und für mehr Lebensqualität.

Schon gewusst?

„Compliance“: wörtlich „Einwilligung, Zustimmung“. Laut WHO ist dies „das Ausmaß, in dem das Verhalten eines Patienten in Bezug auf Arzneimitteleinnahme, Befolgen eines Ernährungsplans oder Anpassungen der Lebensweise mit den Empfehlungen eines Heilberuflers übereinstimmt.“

Quellen: 
[1] Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter. 263. Auflage 2012
[2] Der Brockhaus: Gesundheit. Brockhaus in der Wissenmedia. 8. Auflage 2010
[3] World Health Organization (WHO): Adherence to long-term therapies. Evidenceforaction. WHO 2003
[4] Ehlert, U.: Verhaltensmedizin. Springer Verlag. 1. Auflage 2003
[5] Simons, S. et al: Non-Compliance - Therapietreue dauerhaft verbessern, www.pharmazeutische-zeitung.de; Stand: 2010 (zuletzt besucht am 4.12.2014)
[6] Complicance vs. Adherence. Dachverband Adherence e.V., http://www.dv-adherence.de/index.php/compliance-vs-adherence.html (zuletzt besucht am 4.12.2014)
[7] http://www.patienten-information.de/arztcheckliste, (zuletzt besucht am 4.12.2014)
[8] Medikamente richtig einnehmen. AOK Plus Praxisratgeber, http://www.aok.de/aokplus/gesundheit/praxisratgeber-medikamente-richtig-einnehmen-206840.php (zuletzt besucht am 4.12.2014)
[9] Faller, H. et al.: Medizinische Psychologie und Soziologie. Springer Verlag. 3. Auflage 2010
[10] Fülgraff, G. et al.: Pharmakotherapie: Klinische Pharmakologie. Springer Verlag.